Philae – Eine perfekte Geschichte

Sie ist erwacht! Philae, die kühlschrankgroße Landungssonde auf dem Kometen Tschuri kommuniziert wieder. Das sind Headlinenews. In Europa und den USA. Und auch andernorts, wenn vielleicht auch nicht gar so groß aufgemacht.

Einerlei. Philae sendet wieder. Die Hoffnung der ESA-Experten, dass die Sonde nach der holprigen Landung im Schatten durch die zunehmende Nähe zur Sonne wieder aktiv wird, hat sich erfüllt. Ein Erfolg, keine Frage.

Aber noch etwas mehr.

Die Geschichte von Rosetta und Philae ist ein Glücksfall. Nicht nur aus wissenschaftlicher Sicht.

Artwork: ESA/ATG medialab

Artwork: ESA/ATG medialab

Da ist ein Forschungsprojekt, das die Menschen zu fesseln vermag. Es geht um die Weiten des Weltalls (immer populär). Es geht um die unglaubliche Leistung auf einem Kometen zu landen (spektakulär). Es geht um „Lebenszeichen“ (das rührt das Herz). Und genau das ist der Punkt. Die Geschichte von Rosetta und Philae, das ist seit November eine Geschichte mit Emotion.

Die ESA hat das früh erkannt. Über ihre Zeichentrickfilme mag man geteilter Meinung sein, aber sie greifen genau diesen Erzählstrang auf. Da ist Rosetta, gleichsam als Mutter. Da ist Philae, das Kind, das den großen Sprung wagt. Den Sprung in das Unbekannte.

Unversehens findet man sich wieder in einer Geschichtenstruktur, die wohl so alt ist wie die Menschheit. Aufbruch, Abschied, Ungewissheit, glückliches Ende.

Foto: ESA/Rosetta/MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DASP/IDA 

Foto: ESA/Rosetta/MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DASP/IDA 

Nicht einmal der Umstand, dass es sich hier nun eigentlich nur um Maschinen handelt, tut dem Abbruch. Wir erleben sie gleichsam als unsere Verlängerung. Wir erkunden durch sie das All. Wir erleben durch sie Abenteuer. Wir wagen uns durch sie in Bereiche vor, in die kein Mensch sich ad personam vorwagen könnte.

Diese Emotion war bereits am 12. November, am Tag der Landung Philaes, spürbar. Einerlei ob in der ESA-Zentrale in Darmstadt, im vom Institut für Weltraumforschung angemieteten Annenkino in Graz oder im Festsaal der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien, die Stunden bis zur Bestätigung der Landung wurden von einem bangenden, hingerissenen, gebannten Publikum verfolgt. Der Erfolg aus ganzem Herzen bejubelt (siehe Video)

Artwork: ESA

Artwork: ESA

Seither ist Philae vielen ein Begriff. Als ein Teil von uns, irgendwo dort draußen. Als „good news“, die gerne aufgenommen, gehört, weitererzählt werden. Als „good news“, die in Zeiten wie diesen ohnedies zu spärlich gesät sind.

Und siehe da, es sind die Wissenschaften, die für gute Nachrichten sorgen. Es sind die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die uns ein großes Abenteuer erzählen. Es ist die gemeinsame europäische Anstrengung, die ein solches Projekt überhaupt erst ermöglicht hat.

In dieser emotionalen Komponente liegt die Stärke der Erzählung rund um Philae und Rosetta. Die Wissenschaften haben viele starke Geschichten zu erzählen. Diese hier kann mit Fug und Recht als beispielhaft gelten. (fvk)

 


Franziskus von Kerssenbrock

point_of_science, 40 Eckpergasse, Wien, Wien, 1180, Austria

* 1966 Author, Journalist, Communications Expert Have written for various German and Austrian media (as DIE ZEIT, profil, DER STANDARD, HI!TECH, MERIAN, e.a.) Editor-in-chief at UNIVERSUM MAGAZIN Media Relations for Wirtschaftskammer Wien Head of Corporate Communications Oesterreichische Akademie der Wissenschaften Married, one son